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Ein Teller mit aufgewärmten Penny-Nudeln steht vor mir auf dem Tisch. Im Fernsehen gibt eine Millionärsgattin ohne erkennbare Talente ein Interview über ihren Lifestyle.
Wenn sie nicht in der Sonne zwischen Palmen liegt und Hummerschwänze isst, ist ihr Alltag ganz schön anstrengend. Denn sie müsse die Instagram-Accounts ihrer beiden Hunde managen, erzählt sie.
Ich komme gerade aus einem grauen Büro mit verschnupften Kollegen.
Ist das alles, was mein Leben mir zu bieten hat?, frage ich mich und kaue auf einer verkochten Nudel herum.
Da wird es mir endlich klar: Ich muss reich heiraten. Ich meine, ich muss realistisch sein. Ich bin Journalistin, aber möchte nicht arm sterben.
Bloß: Wie finde ich auf die Schnelle einen reichen Mann? Wie immer hilft Google. Ich suche nach Tipps, um reiche Männer kennenzulernen und lande bei meinem neuen Vorbild: Irina Beller. Millionärsgattin, Influencerin, Moderatorin und Autorin des Buches “Hello Mr. Rich - so heirate ich meinen Millionär”.
“Für Frauen, die von Feminismus nichts halten”
Gleich am nächsten Tag gehe ich in eine Buchhandlung. “Ich würde gerne das Buch ‘Hello Mr. Rich - so heirate ich meinen Millionär’ bestellen”, sage ich der Verkäuferin - sie prustet los. Kurz darauf prustet auch der Mann hinter mir los.
“Das ist ein sehr guter Ratgeber”, sage ich streng. Ich weiß wirklich nicht, was es da zu lachen gibt.
Die heute 44-Jährige hat sich mit gerade einmal 24 Jahren, also fast genau in meinem Alter, erfolgreich mit einem Millionär verheiratet - dem Schweizer Bauunternehmer Walter Beller. Walter Beller ist 68. Zum Geburtstag hat er eine neue Hüfte bekommen.
In ihrem Buch erklärt Irina, was potentielle Millionärsgattinnen bei der Suche nach Mr. Rich beachten sollten.
Es ist ein Buch “für Frauen, die von Feminismus, Emanzipierung und ähnlichem Schwachsinn nichts halten, sondern es lieben ganz Frau zu sein”, schreibt die Autorin. Also genau das Richtige für mich.
“Männer sind sich ähnlich - behalte den reichsten”
Tatsächlich entdecke ich viele wertvolle Tipps für meine Suche, wie zum Beispiel, dass ich mich als Frau wie eine Königin verhalten sollte. Und ich erfahre, wie ich die Fantasie des Mannes beflügle - indem ich mich geheimnisvoll und mysteriös gebe und nicht “wie eine lachende Glückstablette”. Ah ja.
Obwohl die Tipps natürlich außerordentlich hilfreich sind, sind sie mir noch nicht konkret genug. Also schreibe ich der Autorin, ob sie Lust hätte, mir ein persönliches Coaching am Telefon zu geben.
Irina ist sofort dazu bereit, meinen Selbstversuch zu unterstützen. Damit auch ich endlich reich heiraten kann.
“Männer sind einander so ähnlich, da kann man auch gleich den reichsten behalten”, lautet eines ihrer Mottos.
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“Im Internet sind keine Millionäre”
Am Telefon hat Irina gleich eine gute Nachricht für mich: “Deinen Millionär kannst du überall finden: in einem teuren Restaurant, in einem Yacht-Club oder in einer Entschlackungs-Klinik.”
Kein Wunder, dass ich noch keinen Millionär gefunden habe. Ich halte mich zu selten in Entschlackungs-Kliniken und Yacht-Clubs auf.
Auf gar keinen Fall sollten Frauen laut Irina im Internet nach Männern suchen. “Echte Millionäre haben keine Zeit für Kontaktbörsen oder Social Media”, sagt sie. “Dort treiben sich ungeeignete Männer herum, normale Männer.”
Internet-Portale werde ich bei meiner Suche also aussparen.
“Du darfst einen Millionär nicht ansprechen”
Ich frage Irina, wie ich mich auf meiner Millionärssuche kleiden soll. Sie sagt, ich solle mich schick anziehen, aber so, dass ich nicht verkleidet aussehe. “Es muss auf jeden Fall figurbetonend sein. Das ist wichtiger als teuer. Wenn du schöne Beine hast, solltest du einen Rock tragen”, rät sie mir.
➨ Mehr zum Thema: Millionäre packen aus - das würden euch reiche Menschen nie erzählen
Die Frage, die mich am meisten beschäftigt, aber ist: Wie soll ich einen potentiellen Millionär ansprechen?
Irina ist entsetzt. “Du darfst doch keinen Millionär ansprechen”, sagt sie. “Das kommt nicht in Frage.”
“Was aber soll ich dann tun, um ihn kennenzulernen?”, frage ich.
“Dich zeigen. Du musst dich zeigen”, sagt sie. Sie klingt verständnislos. Ich traue mich nicht, genauer nachzufragen, was sie mit “dich zeigen” meint. Ich habe da so eine ungefähre Vorstellung.
“Sich in einen armen Mann zu verlieben, ist Luxus”
Irina hat ihren Millionär in einer Bar getroffen. Sie habe mit einer Freundin dort gesessen und er habe sie angestarrt.
“Ich wusste, dass er verheiratet ist”, sagt sie. “Aber ich hatte im Gefühl, dass es zuende geht.”
Damit sollte sie Recht behalten. Walter Beller gab Irina seine Karte. Erst drei Monate später rief sie ihn an.
“Ich hatte so viele Karten von Millionären, dass ich erst überlegen musste, wen davon ich anrufe”, erklärt sie mir. Klingt plausibel. “Du solltest Männer nicht sofort anrufen”, sagt sie. “Erst nach Monaten.”
Was aber hätte Irina gemacht, wenn sie sich in einen armen Mann verliebt hätte?, frage ich sie.
“Ich stehe nicht auf arme Männer”, sagt Irina. “Sich in einen armen Mann zu verlieben, ist ein Luxus, den man sich leisten können muss. Denn dann musst du selber Geld haben.”
“Liebe geht vorbei, Geld bleibt”
Die Millionärsgattin findet, dass das verschwendete Zeit ist. Vor Walter war sie bereits mit zwei anderen Männern verheiratet. Sie ist davon überzeugt, dass die Ehen vor allem in die Brüche gegangen sind, weil die Männer nicht genügend Geld hatten.
“Liebe geht vorbei, Geld bleibt”, sagt sie. Immerhin: Mit Walter ist sie nun schon seit 20 Jahren verheiratet. Dass sie offen zugibt, ihn auch wegen seines Geldes geheiratet zu haben, mache ihm nichts aus, sagte er selbst in einem Interview mit der Schweizer Tageszeitung “Blick”.
“Irina ist intelligent, schöner als ein Diamant und wilder als eine Katze. Für mich ist sie unbezahlbar”, schwärmte er von seiner Frau.
Auch wenn Irina vor allem das Geld von ihrem Mann zu schätzen weiß, stellt sie klar: “Ganz ohne Zuneigung geht es nicht. Wenn du deinen Millionär eigentlich nicht leiden kannst oder nicht respektierst und deshalb schlecht behandelst, wird er dich verlassen. Denn ein Millionär kann jede haben.”
“Wenn es dir schlecht geht, kaufst du dir was”
Für meine Suche solle ich mir Zeit und nicht gleich den Erstbesten nehmen. Und sie motiviert mich.
“Du wirst sehen, Geld macht schon in gewisser Weise glücklich”, sagt sie. “Wenn es dir schlecht geht, kaufst du dir einfach was und schon geht es dir besser.”
Außerdem gibt mir mein Millionärs-Coach noch einen wichtigen Ratschlag mit auf den Weg: “Deinen Traumprinzen gibt es nicht”, betont sie. “Du musst Kompromisse eingehen. Gleichzeitig darfst du dich aber nicht zu sehr verstellen. Das werden die Männer merken. Millionäre sind nicht dumm.”
Sich verstellen und gleichzeitig nicht verstellen - das klingt ganz schön kompliziert. Aber dann denke ich an all die Frauen, die sich bereits erfolgreich einen Millionär geangelt haben. So schwer kann das nicht sein.
Also beschließe ich, es genauso wie Irina zu machen. Sie hat Walter in einer teuren Bar kennengelernt, als sie mit einer Freundin unterwegs war. Ich überrede also eine Freundin, mit mir in eine teure Hotelbar zu gehen, lege meinen guten Burberry-Schal aus China für 30 Euro bereit und beginne, meine Woche zu planen.
Dass ich schon an diesem Abend die ersten potenziellen Millionäre finden sollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. Die Fortsetzung folgt morgen.